Die 10 besten Weingüter des Rheingaus
Der Rheingau ist die geistige Heimat des deutschen Rieslings. Eine kurze Biegung, an der sich der Rhein nach Westen wendet, zwingt ihn an einem langen Südhang aus Schiefer und Quarzit am Taunus-Fuß entlang — und fast jedes Dorf an diesem Band produziert Wein, seit die Zisterzienser von Kloster Eberbach im 12. Jahrhundert hier die Reben pflanzten. Heute ist der Rheingau klein (rund 3 200 Hektar), historisch und stilistisch aber unverzichtbar für das Verständnis des feinen deutschen Weins.
Schloss Johannisberg
Das Ur-Rieslinggut. Der erste reinsortig mit Riesling bepflanzte Weinberg (1720er) und die dokumentierte Quelle der ersten edelfaulen Spätlese (1775, als ein verspäteter Sendbote unbeabsichtigt den ersten Spätlesewein der Welt ermöglichte). Heute zur Henkell-Freixenet-Gruppe gehörend, doch die Weine schmecken nach wie vor nach Rheingauer Schiefer.
Robert Weil
Sitz in Kiedrich, gegründet 1875, heute im Besitz der Suntory-Gruppe, geleitet von Wilhelm Weil. Der Kiedricher Gräfenberg ist die Vorzeigelage. Weils TBA, wenn die Jahre es erlauben, gehören zu den präzisesten Süßweinen der Welt.
Schloss Vollrads
Schloss Vollrads ist seit 1211 dokumentiert — eines der ältesten durchgehend betriebenen Weingüter der Welt. 80 Hektar Riesling über Winkel und eine stilistische Vorliebe für die feinherbe gegenüber der trockenen Ausprägung.
Künstler
Gunter Künstler in Hochheim erzeugt aus dem Hochheimer Hölle und Stielweg einige der kraftvollsten trockenen Rieslinge des Rheingaus. Die Hölle ist eine steile Südparzelle über dem Main und liefert außergewöhnlich reife, dennoch disziplinierte Weine.
Georg Breuer
Theresa Breuer leitet das Familiengut in Rüdesheim. Berg Schlossberg und Berg Rottland sind die großen Lagen; Breuer keltert ausschließlich trocken, mit gemeißeltem, mineralischem Stil.
Peter Jakob Kühn
Biodynamik-Pionier in Oestrich. Die Weine der Familie sind extrem: geringe Erträge, lange Gärungen, geringer Schwefel und im Handel umstritten — doch wer Textur und Tiefe im Riesling sucht, findet hier keine Konkurrenz.
Künstler (Hochheim)
Bereits unter den Hölle-Spezialisten genannt, betreut Künstler in Hochheim auch weitere Parzellen wie die Domdechaney, ursprünglich ein Weinberg der Mainzer Erzbischöfe.
Weingut Spreitzer
In Oestrich haben die Brüder Spreitzer (Andreas und Bernd) sich einen modernen Ruf für präzise trockene Rieslinge aus den Lagen Lenchen und Doosberg erarbeitet. Zugängliche Weine, ohne die rheingauer Disziplin preiszugeben.
Domdechant Werner
Hochheimer Gut von 1780, seit Generationen im Familienbesitz. Erste Parzellen in Hochheimer Domdechaney und Kirchenstück — historisch Liebling der englischen Königin Victoria, daher der englische Sammelname „Hock" für Rheingauer Wein.
Kloster Eberbach
Ein arbeitendes Gut, kein Museum. Kloster Eberbach (gegründet 1136 durch die Zisterzienser) besitzt und bewirtschaftet weiterhin den Steinberg, den größten ummauerten Weinberg Deutschlands. Das Kloster richtet ganzjährig Weinfeste aus und bietet Führungen.
Den Rheingau besuchen
Der Rheinsteig läuft am Hang entlang; kleine Vinotheken finden sich in Rüdesheim, Hattenheim, Eltville und Kiedrich. Die meisten Güter sind am Wochenende für ungezwungene Besuche geöffnet. Alle Adressen auf der interaktiven Karte — Filter auf Rheingau.