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Die 10 besten Weingüter Italiens

Italien besitzt mehr DOCG-Appellationen (77), mehr autochthone Rebsorten (über 350 kommerziell genutzte) und mehr überzeugende Weingüter pro Fläche als jedes andere Land der Welt. Die Herausforderung ist nicht, überragende italienische Weine zu finden — sondern die Auswahl unter einer schwindelerregenden Fülle zu treffen. Diese zehn Güter stehen für die wichtigsten Stile, Regionen und Philosophien. Alle sind auf der interaktiven Karte verzeichnet.

1. Marchesi Antinori, Toskana

Die Familie Antinori ist seit 1385 im Weinbau — 26 Generationen ohne Unterbrechung. Tignanello, erstmals 1971 vinifiziert und 1978 erstmalig als reinsortiger Sangiovese-Cabernet-Blend etikettiert (ohne die DOCG-Regularien zu erfüllen), ist der Wein, der die Super-Tuscan-Bewegung auslöste. Solaia (Cabernet Sauvignon/Cabernet Franc/Sangiovese) ist die Luxus-Variante. Beide zeigen, was möglich ist, wenn toskanischer Terroir mit internationalen Sorten und modernem Know-how kombiniert wird. Besucherinfrastruktur in Tignanello, Badia a Passignano und in der Cantina Antinori im Chianti Classico.

2. Gaja, Barbaresco / Piemont

Angelo Gaja transformierte Barbaresco von einem regionalen Rotwein in einen internationalen Prestige-Wein. Durch den Einsatz kleiner Barriques statt großer Botti, durch Einführung von Single-Vineyard-Abfüllungen (Sorì Tildin, Sorì San Lorenzo, Costa Russi) in einer Zeit, als das in Piemont unüblich war, und durch kompromisslos hohe Preise etablierte Gaja Maßstäbe für die gesamte Region. Sein Barolo Sperss und Conteisa sowie der Chardonnay Gaia & Rey sind ebenfalls weltklasse. Besuch in Barbaresco nach strenger Voranmeldung.

3. Sassicaia / Tenuta San Guido, Bolgheri

Sassicaia ist der Ur-Super-Tuscan: 1944 erstmals produziert von Mario Incisa della Rocchetta als privates Tischwein-Experiment, 1968 erstmals kommerziell vermarktet. Ein reiner Cabernet Sauvignon/Cabernet Franc-Blend aus dem Maremma-Küstengebiet, in einer Zeit und an einem Ort, der für Qualitätswein nicht bekannt war. Seit 1994 besitzt Sassicaia DOC seine eigene Ein-Güter-Appellation innerhalb von Bolgheri — eine einzige weltweit. Jahrgänge 1985, 1988, 2015 und 2016 sind Auktionslieblinge. Keine öffentlichen Besuche; Weine über Importeure.

4. Ornellaia, Bolgheri

Ornellaia, gegründet 1981 von Lodovico Antinori (Bruder von Piero), erzeugt aus den besten Lagen Bolgheris ein Bordeaux-inspiriertes Ensemble: Le Masseto (100% Merlot, Italiens teuerster Wein), Ornellaia (Cabernet Sauvignon/Merlot/Cabernet Franc/Petit Verdot) und Le Serre Nuove (der zugänglichere Zweites-Gewächs-Wein). Ornellaia gehört seit 2005 zur Frescobaldi-Gruppe; die Qualität blieb unverändert hoch. Besuchertouren in Bolgheri täglich nach Buchung möglich.

5. Biondi-Santi, Montalcino

Die Familie Biondi-Santi hat die Rebsorte Brunello di Montalcino faktisch erfunden: Ferruccio Biondi-Santi pflanzte 1869 Sangiovese Grosso (Brunello) als Reinsorte und definierte damit eine neue Weinart. Das Gut, Il Greppo, produziert ausschließlich Brunello di Montalcino DOCG und Rosso di Montalcino; die Annata (normale Jahrgangslinie) und die seltene Riserva (nur in Ausnahmejahrgängen) sind Klassiker von mythischem Status. Jahrgänge 1955, 1964, 1975, 2010 und 2015 werden auf Auktionen zu Spitzenpreisen gehandelt. Besichtigungen nach strenger Voranmeldung.

6. Marchesi de' Frescobaldi, Toskana

Die Frescobaldi-Dynastie, seit 1308 im Weinbau, bewirtschaftet heute neun Güter in fünf toskanischen Appellationen. Castello di Nipozzano Riserva (Chianti Rúfina DOCG) ist die historische Galionsfigur: ein vollständiger, komplexer Sangiovese-Blend aus dem kühlen Rúfina-Tal. Mormoreto (Cabernet Sauvignon), Luce (Merlot/Sangiovese, Joint-Venture mit Mondavi) und Castelgiocondo Brunello di Montalcino ergänzen das weitverzweigte Portfolio. Castello di Nipozzano ist täglich für Touren und Verkostungen geöffnet.

7. Ceretto, Barolo / Piemont

Die Brüder Bruno und Marcello Ceretto revolutionierten in den 1970ern den Baroloanbau durch Single-Vineyard-Denken, das vorher kaum existierte. Bricco Rocche (Barolo, Castiglione Falletto), Brunate (Barolo, La Morra) und Asij Barbaresco sind die Einzellagen-Flaggschiffe. Das Weingut besitzt auch das modernistische Glaskapellen-Kunstobjekt der Gebrüder Ceruttis auf dem Bricco Rocche-Hügel, sichtbar von weit her. Führungen täglich in Alba; Mittagessen in der Trattoria del Bricco buchbar.

8. Vietti, Barolo / Piemont

Vietti, geführt von Luca Currado und Elena Penna-Currado, ist für Weinliebhaber eines der aufregendsten Barolo-Häuser: das Single-Vineyard-Portfolio umfasst Rocche di Castiglione, Brunate, Lazzarito und Villero — alle vier klassischen Lagen mit unterschiedlichem Charakter. Vietti-Labels sind auch bekannt für extravagante Grafiken lokaler Künstler. Barolo Castiglione (Cuvée aus mehreren Lagen) ist die zugänglichste Einstiegslinie. Besuchsmöglichkeiten im Castiglione Falletto nach Anmeldung.

9. Giuseppe Mascarello e Figlio, Barolo

Mauro Mascarello, einer der traditionalistischsten Barolo-Erzeuger überhaupt, ist für große Botti (große Eichenfässer, traditionelle Art), lange Maischestandzeiten und Weine bekannt, die erst nach zwei Jahrzehnten zu sprechen beginnen. Monprivato (Castiglione Falletto) ist sein Credo: ein Barolo von extremer Tannin-Dichte, Würze und Langlebigkeit, der die Grenzen der Gattung auslotet. Die seltene Riserva Ca'd'Morissio (Einzelparzelle innerhalb von Monprivato) wird nur in Ausnahmejahren erzeugt. Kein öffentlicher Besuch; Bezug über Importeure.

10. Allegrini, Valpolicella / Venetien

Allegrini, in Fumane im Valpolicella Classico, ist das führende familiengeführte Haus für Amarone della Valpolicella DOCG. Amarone Classico, der Flaggschiff-Wein, kombiniert Corvina, Corvinone und Rondinella aus Trockentrauben (Appassimento, 90-120 Tage) zu einem riesigen, konzentrierten Rotwein mit 15-16% Alkohol, Noten von dunklen Kirschen, Bitterschokolade, Leder und Gewürzen. La Poja (100% Corvina, keine Trocknungsphase) und Palazzo della Torre (ripasso-Stil) sind die weiteren Highlights. Tägliche Besichtigungen in Fumane; Übernachtung im Gutsanwesen buchbar.

Italiens Weinregionen: ein Überblick

Italien produziert Wein in allen zwanzig Regionen, aber einige Gebiete prägen das internationale Bild unverhältnismäßig stark. Piemont (Nordwest) mit Barolo, Barbaresco, Barbera d'Asti und Moscato d'Asti ist das vielfältigste Qualitätsgebiet. Die Toskana (Mitte) mit Chianti Classico, Brunello, Vino Nobile, Vernaccia di San Gimignano und den Bolgheri-Super-Tuscans ist das bekannteste. Der Nordosten (Venetien, Friaul, Trentino-Südtirol) erzeugt von Prosecco bis Amarone und Pinot Grigio bis Soave. Sizilien und Kampanien sind die Aufsteiger: Nero d'Avola, Etna Rosso und Nerello Mascalese aus dem Ätna-Vulkan, Fiano di Avellino DOCG und Taurasi DOCG (Aglianico) aus Kampanien. Sardinien mit Cannonau (Grenache), Vermentino und Carignano del Sulcis hat ebenfalls in der letzten Dekade internationale Aufmerksamkeit gewonnen.

Die Geburt der Super Tuscans

Super Tuscans entstanden als Reaktion auf die engen Vorschriften des alten Chianti Classico DOCG, das Weißweinmischung vorschrieb und internationale Sorten ausschloss. Als Marchesi Antinori 1978 Tignanello ohne Weißweinanteil und mit Cabernet-Anteil abfüllte und damit aus dem DOC herausfiel, musste der Wein als einfacher Vino da Tavola verkauft werden — und kostete trotzdem mehr als der teuerste Chianti. Die Qualität und der Preis zwangen die italienische Weinregulierung zu einer Überarbeitung; seit 1994 erlaubt der Bolgheri DOC und seit 1995 das Sassicaia-Experiment eine neue Kategorie.