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Screaming Eagle im Porträt

Screaming Eagle ist das kleinste, verschlossenste und teuerste Weingut Napas. Die Gesamtproduktion umfasst wenige hundert Kisten eines einzigen Cabernet Sauvignon, gewonnen aus einer Hanglage oberhalb von Oakville, die Jean Phillips 1986 erwarb. Der erste kommerzielle Jahrgang 1992 begründete den Ruf des Hauses praktisch über Nacht. Das einzelne Auktionslos auf der Napa Valley Wine Auction 2000 — eine 6-Liter-Flasche des 1992ers — erzielte 500.000 Dollar und machte den Napa-Kultwein endgültig zum öffentlichen Thema.

Jean Phillips und die Entdeckung

Phillips, ehemals Immobilienmaklerin, kaufte ohne Weinerfahrung ein 20-Hektar-Grundstück oberhalb Oakville. Auf dem Areal stand bereits ein knapper Hektar Cabernet Sauvignon, dazu wenige Reihen Sauvignon Blanc und Merlot inmitten älterer Chardonnay- und Rieslingflächen. Phillips traf die nüchtern wirkende Entscheidung, die kleine Cabernet-Parzelle als eigenständigen Wein abzufüllen, rodete die übrigen Sorten, baute Cabernet aus und engagierte Heidi Barrett als beratende Önologin.

Heidi Barrett und der erste Jahrgang

Barrett, beratende Önologin mehrerer Napa-Güter, vinifizierte den 1992er Screaming Eagle. Bei der Veröffentlichung 1995 über eine kleine Mailingliste erhielt der Wein 99 Punkte von Robert Parker; folgende Jahrgänge holten regelmäßig 98 bis 100. Er wurde zum prägenden „Kult-Cabernet" der 1990er — neben Harlan Estate, Bryant Family und Colgin — und schuf das Modell, das Napas Spitzenklasse seither prägt.

Der Auktionsmoment

Auf der Napa Valley Wine Auction 2000 brachte eine einzige 6-Liter- Imperiale des 1992ers 500.000 Dollar. Das Los, von Phillips selbst gestiftet, machte international Schlagzeilen und veränderte das Verständnis dafür, was Napa erzielen kann. Der Auktionspreis war ein Ausreißer — die Mailinglisten-Pricing lag damals bei 500 Dollar pro Flasche —, doch der Moment verankerte Screaming Eagle im öffentlichen Bewusstsein.

Der Verkauf an Stan Kroenke

Phillips verkaufte das Gut 2006 an Stan Kroenke (US-amerikanischer Sportfranchise-Milliardär) und Charles Banks. Kroenke übernahm später Banks' Anteil komplett. Unter Kroenkes Eigentum sind die Weinberge erweitert worden (Erwerb des Nachbargrundstücks für den Second Flight) und eine neue Kellerei entstanden, während die Produktion klein blieb.

Die Weine heute

Der Screaming Eagle Cabernet ist mit wenigen hundert Kisten weiterhin Flaggschiff. Der Second Flight (eigenständige Cabernet-Cuvée, seit 2008) und The Flight Sauvignon Blanc (in winzigen Mengen) runden die Linie ab. Verkauf ausschließlich über die Mailingliste. Eine Zuteilung setzt einen Platz auf der Warteliste voraus — und die ist geschlossen.

Warum der Preis so hoch ist

Zwei Gründe. Erstens: Die Menge ist tatsächlich winzig. Zweitens: Die Kombination aus Sammlernachfrage, Abwesenheit gewöhnlicher Einzelhandelsdistribution und einem aktiven Sekundärmarkt hat die Preise von den Produktionskosten entkoppelt. Eine aktuelle Mailinglisten-Allokation um 1.000 bis 1.500 Dollar je Flasche wechselt auf dem Sekundärmarkt zu 4.000 bis 5.000 Dollar und mehr bei gereiften Jahrgängen.

Die Lage

Der Weinberg liegt östlich der Oakville Road an einem sanften Hang über dem Talboden. Die Bodenstruktur ist gut drainiert, die Exposition sorgt für eine etwas kühlere Reife als auf dem warmen Oakville-Bench darunter. Das Gut hat nie öffentliche Führungen angeboten; den Wein verkostet man nur als zugeteilter Käufer, in einem Spitzenrestaurant oder auf Auktion.

Napa rund um Oakville besuchen

Während Screaming Eagle selbst unzugänglich bleibt, ist die Appellation Oakville voller offener Adressen: Robert Mondavi im Süden, Opus One gegenüber, Plumpjack, Far Niente und Silver Oak in wenigen Minuten. Die Oakville-Cluster bilden den konstantesten großen Cabernet-Boden Napas. Besuchbare Güter auf der interaktiven Karte — Filter Oakville.